Minna-Bollmann-Preis

Die SPD in Halberstadt zeichnet engagierte Sozialdemokratinnen, die sich für die Rechte der Frauen stark gemacht haben, mit dem Minna-Bollmann-Preis aus. Bereits fünf mal ist der Preis, der mit 250 € (zur Spende an gemeinnützige Vereine) dotiert ist, bisher verliehen worden.

Die Halberstädter SPD blickt auf eine über 140-jährige Geschichte zurück. Schon 1862 gründete August Heine den Arbeiterbildungsverein und 1871 wurde der SPD – Ortsverein in Halberstadt gegründet, der ab 1873 in Bollmanns Gaststätte, die immer noch unser Parteilokal ist, tagte. Damit ist Halberstadt nach Halle / Saale der zweitälteste SPD–Ortsverein in Sachsen–Anhalt. Die erste Wirtin in „Bollmanns Gaststätte“ in der Altstadt von Halberstadt, einem der ältesten Arbeiterlokale in Deutschland, Johanna Bollmann, geb. Robrade, genannt „Mutter Bollmann“ war die Frau eines der letzten Halberstädter Postillione und musste durch den Betrieb der Gastsstätte mit für den Familienunterhalt (sieben Söhne) beitragen.

Minna Bollmann

Minna Bollmann

Der jüngste Sohn Max heiratete 1896 Minna Bollmann, die Tochter des Schneidermeisters August Zacharias, der zu den Mitbegründern der SPD in Halberstadt zählte. Die junge Minna Bollmann engagierte sich frühzeitig in der Partei, da sie erkannt hatte, dass nur durch politischen Kampf die Gleichberechtigung der Frauen erreicht werden kann. Bis 1918 waren die Frauen in Deutschland vom Wahlrecht ausgeschlossen und auch auf vielen anderen Gebieten der Gesellschaft benachteiligt.Minna Bollmann war eine ausgezeichnete Rednerin, die ihre Zuhörer mitzureißen verstand. 1919 zog sie für den Wahlkreis Harz/ Halberstadt in die Weimarer Nationalversammlung und war von 1919 bis 1933 SPD–Abgeordnete im preußischen Landtag und aktive Stadträtin im Halberstädter Stadtparlament. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten leistete sie wie viele Sozialdemokraten Widerstand. Nach einer Denunziation durch die SA sollte sie verhaftet werden und wählte in der Nacht zum 9.12.1935 den Freitod. Ihr Begräbnis, auf dem Erich Bordach die Trauerrede hielt, wurde noch einmal zum Beweis ihrer Beliebtheit bei den Halberstädtern, denn viele gaben ihr die letzte Ehre.

Ihr Sohn Otto führte ihr politisches Erbe weiter, wurde im Konzentrationslager interniert, gründete 1945 wieder die SPD in Halberstadt mit, wurde 1950 von den kommunistischen Machthabern erneut verhaftet und wählte in der Haftanstalt Halberstadt ebenfalls den Freitod, um den Qualen eines langen Zuchthausaufenthaltes  zu entgehen.
Das Erbe der Bollmanns und aller Sozialdemokraten in Halberstadt ist Aufgabe und Verpflichtung für den SPD Ortsverein. Mit dem zu vergebenden Preis wird die politischen Aktivitäten von Sozialdemokratinnen anerkennen.
  • Preisträgerinnen

  • Christel Riemann-HanewinkelChristel Riemann-Hanewinkel

    parl. Staatssekräterin im Bundesfamilienministerim a.D.

  • Anette LeppingerAnette Leppinger

    ehemalige Halberstädter Landtagsabgeordnete und Stadträtin

  • Ingrid HäußlerIngrid Häußler

    ehemalige Umweltministerin und Oberbürgermeisterin von Halle/Saale

  • Renate SchmidtRenate Schmidt

    Bundesfamilienministerin a.D.

  • Annette HildebrandtAnnette Hildebrandt

    Autorin

  • Ute Gabriel-Betzle

    Foto: M. Kasupke

    Ute Gabriel-Betzle

    ehemalige Bürgermeisterin von Halberstadt, Geschäftsführerin der Diakonie im Kirchenkreis Halberstadt